Was ist Doping?

Doping - was ist das eigentlich genau?

ARD und ZDF stiegen im Jahr 2008 aus der Live-Berichterstattung über die Tour de France aus; die Ursache dafür: diverse Dopingfälle, die die Tour diskreditierten, anscheinend hilflose Versuche der Tour-Leitung, Doping zu unterbinden und das Comeback eines Fahrers wie Lance Armstrong, der mit großem Erfolg nach einer Krebserkrankung in den Radsport zurückkehrte, bei dem zumindest 1999 im Rahmen der Tour de France allerdings positive Dopingproben entnommen wurden.

Auch Jan Ullrich, zeitweise Ausnahmefahrer des Teams Telekom im Radsport, wurde des Dopings überführt, ohne allerdings das Doping bisher selbst gestanden zu haben. Bjarne Riis dagegen, Tour de France – Sieger von 1996, hatte Doping zugegeben.

Mag sein, dass Doping im Radsport immer wieder in ganz besonderem Maße die Medienwelt erschüttert; Radsport allerdings als schwarzes Schaf zu bezeichnen, als Sportart, in der sich alle Dopingsünder der Sportwelt treffen, während andere Sportarten sauber sind, wäre übertrieben.

  • Zwölf Dopingfälle gab es bei der Gewichtheber-Weltmeisterschaft in Chiangmai/Thailand im Jahr 2007.
  • In 9,79 Sekunden lief der Sprintstar Ben Johnson die 100 Meter während der Olympischen Spiele des Jahres 1988 in Seoul: Weltrekord! Zwei Tage später wurde Stanozolol in seiner Urinprobe nachgewiesen, Stanozolol wird von Testosteron abgeleitet und dient als verbotene Substanz dem Muskelaufbau. Später behauptete Johnson, sein größter Widersacher Carl Lewis hätte etwas mit der Sache zu tun.Möglich ist es durchaus, jemanden ohne sein Wissen zu dopen, um ihn beispielsweise ins offene Messer laufen zu lassen. Auch Dieter Baumann, bekannt gewordener deutscher Langstreckenläufer sah sich Dopingvorwürfen ausgesetzt, als er 1999 positiv auf den Wirkstoff Nandrolon getestet wurde. Nandrolon wurde auch in seiner Zahnpasta gefunden. Hat Baumann, der sich zuvor sehr gegen Doping im Sport engagiert hatte, die Welt mit seinem Engagement getäuscht? Oder ist er einigen Leuten zu sehr auf die Füße getreten, sodass ihm tatsächlich ohne sein Wissen ein Dopingmittel verabreicht wurde, um ihn aus dem Verkehr zu ziehen? So ganz einfach ist das mit dem Doping also nicht; Laien, die mit der Thematik nicht oder kaum vertraut sind, könnten sich sehr schnell auch unwissentlich dopen. Verbotene Substanzen befinden sich in diversen Medikamenten oder auch in Haarwuchsmitteln. Sportprofis sollten also die verschiedensten Substanzen, die sie normalerweise eventuell ohne zu zögern im Alltag benutzen würden, zunächst mit einem medizinischen Berater besprechen.

All das zeigt aus unserer Sicht zweierlei:

  1. Bewusstes Doping, um eine Leistungssteigerung eines Athleten zu erreichen, ist keine absolute Ausnahme im Leistungssport.
  2. Doping ist mitunter ein ganz schön kompliziertes Thema. 

Aber bevor wir uns auf diesen Seiten noch intensiver mit dem Doping beschäftigen, sollten wir uns eine Definition des Begriffs ansehen, damit wir auch genau wissen, worüber wir sprechen. Und schon wieder stoßen wir auf gewisse Schwierigkeiten: Es gibt nicht EINE Definition, es gibt verschiedene. Seit dem Jahr 2004 existiert die Doping-Definition der World  Anti-Doping Agency (WADA), die etwa die Dopingkontrollen organisiert. Artikel EINS und ZWEI definieren, was genau unter Doping zu verstehen ist.

Artikel 1 Definition von Doping
Doping ist definiert als ein ein- oder mehrmaliger Verstoß gegen die Anti-Doping-Regeln wie sie in Artikel 2.1 bis 2.8 ausgewiesen sind.

Artikel 2 Verstöße gegen die Anti-Doping-Regeln
Die folgenden Artikel stellen Verstöße gegen die Anti-Doping-Regeln dar:

2.1 Die Anwesenheit einer verbotenen Substanz, deren Metaboliten oder eines Markers in einer dem Athleten entnommenen Probe.

2.2 Die Anwendung bzw. der Versuch der Anwendung einer verbotenen Substanz oder einer verbotenen Methode.

2.3 Verweigerung oder Nichterfüllung (ohne ausreichende Begründung) der Abgabe einer Probe nach Aufforderung zur Dopingkontrolle entsprechend der Authorisierung durch die Anti-Doping-Regeln.

2.4 Verhinderung der Verfügbarkeit bei Kontrollen außerhalb des Wettkampfes einschließlich des Unterlassens der Aufenthaltsmeldepflicht.

2.5 Betrug oder der Versuch eines Betruges bei der Dopingkontrolle.

2.6 Besitz von verbotenen Substanzen oder verbotenen Methoden.

2.7 Weitergabe jeglicher verbotenen Substanz oder verbotenen Methode.

2.8 Anstiftung, Mitbeteiligung, Unterstützung oder Ermutigung zur Anwendung oder zum Versuch einer Anwendung einer verbotenen Substanz oder verbotenen Methode oder jegliche Art der Beteiligung an einem Verstoß gegen die Anti-Doping-Regeln.

Die Probleme entstehen spätestens dann, wenn es darum geht, welche Substanzen oder Methoden nun verboten und welche Wirkstoffe nur mit Einschränkungen erlaubt sind. Festgelegt wird so etwas in Dopinglisten, wobei die Dopingliste der World Anti-Doping Agency (WADA) von der Nationalen Agentur in Deutschland übernommen wird. Aktuelle Listen kann man hier abrufen: www.nada-bonn.de/downloads/listen. In einigen Sportdisziplinen wird die Definition des Dopings enger gefasst als in den disziplinübergreifenden Listen, beispielsweise beim Bogenschießen.

Der Kampf gegen Doping ist nicht allein der Kampf um einen Sport, der nicht durch die besten Ärzte, sondern durch die beste sportliche Leistung ohne verbotene medizinische Unterstützung entschieden wird. Es ist auch ein Kampf zum Schutz der Sportler vor unerwünschten, mitunter auch extremen Folgen des Dopings. Der Tod des Bodybuilders Andreas Münzer, der am 14. März 1996 mit 31 Jahren starb, ist beispielsweise auf extremes Doping über Jahre hinweg zurückzuführen gewesen. Er ist nicht der einzige Sportler, der infolge Dopings verstarb.

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